Die kurze Antwort

Gold kann ein breit gestreutes Portfolio sinnvoll ergänzen, weil sein Preis von anderen Kräften beeinflusst wird als Unternehmensgewinne oder laufende Anleihezinsen. In Phasen starken Marktstresses kann diese Eigenständigkeit wertvoll sein: Ein liquider Goldbestand kann Verluste anderer Positionen teilweise abfedern und Handlungsspielraum für ein Rebalancing schaffen.

Das ist keine Garantie und keine Aufforderung, Aktien, Anleihen oder eine Liquiditätsreserve zu ersetzen. Gold erwirtschaftet weder Zinsen noch Dividenden, sein Preis kann über Jahre fallen und bei physischem Besitz entstehen Aufgeld, Spread, Lagerung und gegebenenfalls Versicherung. Entscheidend ist daher nicht die Frage „Gold oder Portfolio?“, sondern welche begrenzte Aufgabe Gold innerhalb des gesamten Portfolios erfüllen soll.

Warum Gold diversifizieren kann

Diversifikation entsteht, wenn Vermögenswerte nicht dauerhaft im gleichen Takt steigen und fallen. Gold hängt unter anderem von Realzinsen, Währungen, Reservepolitik, physischer Nachfrage und dem Vertrauen in Finanzsysteme ab. Diese Treiber unterscheiden sich teilweise von denen globaler Aktien und Anleihen. Eine Beimischung kann dadurch die Schwankung des Gesamtportfolios verändern, auch wenn Gold für sich allein volatil bleibt.

Eine Studie von Dirk Baur und Brian Lucey im Fachjournal Financial Review fand Gold in den untersuchten US-, britischen und deutschen Daten im Durchschnitt als Absicherung gegenüber Aktien und in extremen Aktienmarktphasen als sicheren Hafen. Die Autoren betonen zugleich, dass dieser Safe-Haven-Effekt kurzlebig war. Das Ergebnis beschreibt bestimmte historische Daten und ist kein Versprechen für jede Krise, Währung oder Haltedauer.

Was die UZH-Studie von Thorsten Hens und Alvin Amstein zeigt

Thorsten Hens und Alvin Amstein untersuchten in der im Februar 2025 veröffentlichten UZH-Auftragsstudie „Gold für den langfristigen Vermögensaufbau“ Portfolioallokationen aus Sicht der Modernen Portfoliotheorie, des optimalen Vermögenswachstums und der Prospekttheorie. Nach Angaben der Universität berücksichtigten sie historische Daten seit 1972, Referenzwährungen in US-Dollar und Schweizer Franken sowie Steuern, Transaktionskosten und Gegenparteirisiken.

Die offizielle UZH-Zusammenfassung berichtet, dass die modellierten optimalen Goldanteile über die untersuchten Fälle im Mittel bei zehn Prozent lagen und bei höherer Risikoaversion oder internationaler Aktienausrichtung zunahmen. Daraus folgt keine allgemeingültige Zehn-Prozent-Regel: Die Studie wurde von der Bank von Roll finanziell unterstützt, ist als Auftragsforschung ausgewiesen, nennt keinen DOI und ihre Ergebnisse hängen von Datenzeitraum, Modell, Währung, Kosten, Steuern und Rebalancing ab. Sinnvoll ist daher die vorsichtige Aussage, dass die Analyse eine mögliche Portfoliofunktion von Gold stützt – nicht, dass jede Person dieselbe Quote halten sollte.

Gold als Krisenreserve – mit klaren Grenzen

Gold besitzt kein Ausfallrisiko eines Emittenten, wenn es unmittelbar und eindeutig im Eigentum gehalten wird. Das kann für Anleger relevant sein, die neben Renditeanlagen einen übertragbaren Reservewert außerhalb eines einzelnen Unternehmensversprechens suchen. In einer Aktienkrise kann ein liquider Goldbestand außerdem verkauft werden, um untergewichtete Anlagen nachzukaufen, ohne zuerst gefallene Aktien veräußern zu müssen.

Der Begriff Krisenreserve darf trotzdem nicht mit Wertstabilität verwechselt werden. Goldkurse reagieren auf Zinsen, Dollarbewegungen und Liquiditätsbedarf und können gerade zu Beginn eines Marktschocks ebenfalls sinken. Für kurzfristige Rechnungen bleibt eine ausreichend große Geldreserve wichtiger, weil Verkaufspreis, Abwicklung und Verfügbarkeit von physischem Gold nicht garantiert sind.

Warum es keine universelle Goldquote gibt

Eine vertretbare Gewichtung hängt von Anlageziel, Zeithorizont, Risikotragfähigkeit, vorhandenen Vermögenswerten und der Währung der künftigen Ausgaben ab. Auch Immobilien, betriebliche Beteiligungen oder eine bereits hohe Rohstoffabhängigkeit verändern die Ausgangslage. Wer in einer Krise verkaufen müsste, braucht eine andere Struktur als jemand mit stabilen Reserven und langem Horizont.

Prozentwerte aus historischen Optimierungen reagieren empfindlich auf Startdatum, Renditeannahmen und das gewählte Risikomaß. Sie können als Szenario dienen, ersetzen aber keine persönliche Finanzplanung. Eine konstruktive Vorgehensweise beginnt deshalb mit der gewünschten Funktion – Diversifikation, Krisenreserve oder langfristiger Sachwertbaustein – und legt erst danach eine begrenzte Zielspanne fest.

Physisch, börsengehandelt oder über Minenaktien?

Physisches Anlagegold bietet unmittelbares Eigentum, verursacht aber Kaufaufschlag, Verkaufsspanne, sichere Verwahrung und möglicherweise Versicherung. Börsengehandelte Produkte können leichter handelbar und in kleinen Beträgen rebalancierbar sein; dafür müssen Anleger Rechtsform, Besicherung, Verwahrung, Gebühren, Liquidität und mögliche Gegenparteien genau prüfen. Ein Produktname mit „Gold“ allein belegt keinen Anspruch auf bestimmte Barren.

Goldminenaktien sind Unternehmensbeteiligungen und kein Ersatz für Gold. Neben dem Metallpreis wirken Förderkosten, Management, Finanzierung, Reserven, politische Risiken und Aktienmarktstimmung. Sie können stärker steigen oder fallen als der Goldpreis. Für die Portfolioentscheidung sollten Metall, Wertpapier und Unternehmen daher als unterschiedliche Risikobausteine behandelt werden.

Mit einer Regel statt mit Schlagzeilen arbeiten

Eine festgelegte Zielspanne verhindert, dass eine stark gestiegene Position unbemerkt das Portfolio dominiert. Rebalancing bedeutet, die tatsächliche Gewichtung in angemessenen Abständen oder beim Überschreiten einer zuvor bestimmten Bandbreite zur Zielstruktur zurückzuführen. Das kann antizyklisch wirken, löst aber Transaktionskosten, Spreads und je nach Rechtsordnung Steuern aus.

Praktisch sollten Anleger vorab dokumentieren, welches Goldinstrument sie halten, wie Kosten und sichere Verwahrung aussehen und unter welchen Bedingungen gekauft oder verkauft wird. Ein jährlicher Portfolio-Check kann für viele langfristige Strategien verständlicher sein als hektische Reaktionen auf Tageskurse. Diese Einordnung ist allgemeine Information und keine persönliche Anlageempfehlung.

Häufige Fragen

Kurze Antworten aus den oben erläuterten Zusammenhängen. Für Details und Einschränkungen gilt jeweils der vollständige Abschnitt.

Was ist die kurze Antwort?

Gold kann ein breit gestreutes Portfolio sinnvoll ergänzen, weil sein Preis von anderen Kräften beeinflusst wird als Unternehmensgewinne oder laufende Anleihezinsen. In Phasen starken Marktstresses kann diese Eigenständigkeit wertvoll sein: Ein liquider Goldbestand kann Verluste anderer Positionen teilweise abfedern und Handlungsspielraum für ein Rebalancing schaffen.

Warum Gold diversifizieren kann?

Diversifikation entsteht, wenn Vermögenswerte nicht dauerhaft im gleichen Takt steigen und fallen. Gold hängt unter anderem von Realzinsen, Währungen, Reservepolitik, physischer Nachfrage und dem Vertrauen in Finanzsysteme ab. Diese Treiber unterscheiden sich teilweise von denen globaler Aktien und Anleihen. Eine Beimischung kann dadurch die Schwankung des Gesamtportfolios verändern, auch wenn Gold für sich allein volatil bleibt.

Was die UZH-Studie von Thorsten Hens und Alvin Amstein zeigt?

Thorsten Hens und Alvin Amstein untersuchten in der im Februar 2025 veröffentlichten UZH-Auftragsstudie „Gold für den langfristigen Vermögensaufbau“ Portfolioallokationen aus Sicht der Modernen Portfoliotheorie, des optimalen Vermögenswachstums und der Prospekttheorie. Nach Angaben der Universität berücksichtigten sie historische Daten seit 1972, Referenzwährungen in US-Dollar und Schweizer Franken sowie Steuern, Transaktionskosten und Gegenparteirisiken.

Quellen und redaktionelle Grundlage

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